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Strombörse (EPEX SPOT) – so entsteht der Strompreis

(Day-Ahead & Intraday einfach erklärt)

 Strombörse (EPEX SPOT) – wie der Preis entsteht (Plan, Realität und Korrektur)

Viele Unternehmer sehen am Ende nur eine Zahl: ct/kWh.
Doch diese Zahl entsteht nicht „im Büro eines Versorgers“. Sie entsteht im Markt – u. a. an der EPEX SPOT, einer der zentralen europäischen Strombörsen.

Damit man das versteht, hilft ein einfaches Bild:

Der Strommarkt arbeitet in zwei Schritten:

  1. Er macht einen Plan für morgen
  2. und korrigiert ihn, sobald die Realität abweicht

1️⃣ Day-Ahead: Der Markt macht den Plan für morgen

Stellen Sie sich vor, Europa schreibt jeden Tag einen „Strom-Fahrplan“ für den nächsten Tag.

Genau das passiert im Day-Ahead-Markt:

  • Erzeuger (z. B. Windparks, Solar, Kraftwerke) melden an, wie viel Strom sie morgen liefern können – und zu welchem Mindestpreis.
  • Käufer (Lieferanten, Händler, große Verbraucher) melden an, wie viel Strom sie morgen brauchen – und was sie maximal zahlen.

Aus diesen Geboten entsteht der Preis:
für jede Stunde bzw. Zeitperiode des nächsten Tages.

Das Ergebnis ist der Markt-Plan:
Welche Mengen werden morgen geliefert – und zu welchem Preis.

Wichtig:
Im Hintergrund wird das europäisch gekoppelt berechnet. Strom kennt keine Landesgrenzen, aber Netze haben Kapazitätsgrenzen. Genau deshalb spielen grenzüberschreitende Leitungen und Engpässe eine Rolle.


2️⃣ Intraday: Die Realität weicht ab – und der Markt korrigiert

Am nächsten Tag kommt die Wirklichkeit. Und die ist selten exakt wie geplant.

Typische Gründe:

  • Wind weht anders als prognostiziert
  • Sonne liefert weniger / mehr als erwartet
  • eine Anlage fällt ungeplant aus
  • ein Industriebetrieb fährt länger oder stärker
  • Temperaturen ändern den Verbrauch (Heizen/Kühlen)

Und jetzt passiert etwas Entscheidendes:

Der Markt muss nachsteuern.

Das macht der Intraday-Markt:
Hier wird kurzfristig gehandelt, um Abweichungen auszugleichen.

Man kann es so übersetzen:

Day-Ahead = Plan
Intraday = Korrektur, damit das System stabil bleibt

Intraday ist oft volatiler, weil er näher an der Lieferung ist.
Je weniger Zeit bleibt, desto höher der Druck – und desto stärker können Preise reagieren.


3️⃣ Warum schwanken die Preise? (die wichtigsten Treiber)

Der Börsenpreis ist letztlich ein Spiegel von Angebot und Nachfrage – aber diese werden beeinflusst durch:

Nachfrage

  • Industrieproduktion
  • Tageszeit / Wochentag
  • Temperatur (Heiz- und Kühlbedarf)

Erzeugung

  • Wind & Sonne
  • Wasserkraft / Pegelstände
  • Kraftwerksverfügbarkeit (Wartung, Ausfälle)

Brennstoffe und CO₂

  • Gas- und Kohlepreise beeinflussen die Kosten konventioneller Erzeugung
  • CO₂-Zertifikate verteuern fossile Erzeugung zusätzlich

Netz & Engpässe

  • begrenzte Übertragungskapazitäten zwischen Regionen
  • Systemeingriffe zur Stabilisierung (z. B. Redispatch)

Geopolitik

  • erhöht Risikoaufschläge
  • verändert Erwartungen am Terminmarkt
  • kann kurzfristig Nervosität und Preisspitzen verstärken

4️⃣ Was bedeutet das für Unternehmer?

Sie müssen keine Börsenhändler werden.
Aber Sie sollten drei Dinge verstehen:

1) Preise sind Systemlogik – keine Willkür

Wenn Preise steigen oder fallen, passiert das meist nicht „aus dem Nichts“, sondern weil sich Erwartung, Wetter, Nachfrage oder Kostenstrukturen verändert haben.

2) Spot ist kurzfristig – Termin ist Strategie

Wer stark am Spotmarkt hängt, bekommt Volatilität direkt zu spüren.
Wer Terminabsicherungen nutzt, kauft mehr Planungssicherheit.

3) Zeitdruck ist teuer

Unternehmen, die erst kurz vor Vertragsende reagieren, kaufen oft unter Druck – und Druck ist selten ein guter Einkaufsberater.


Fazit: 

Die Strombörse ist wie ein Navigationssystem

  • Day-Ahead plant die Route
  • Intraday korrigiert bei Stau und Wetter
  • und der Preis ist das Ergebnis dieser ständigen Anpassung

Wer diese Mechanik versteht, trifft bessere Entscheidungen bei:

  • Laufzeiten
  • Absicherung (Spot vs. Termin)
  • Timing
  • Risikoprofil
  • Lieferantenwahl