Die teuerste Viertelstunde des Jahres – warum Lastspitzen Ihre Stromkosten bestimmen
Die teuerste Viertelstunde des Jahres – warum Lastspitzen Ihre Stromkosten bestimmen
Viele Unternehmer schauen beim Strompreis zuerst auf den Arbeitspreis in ct/kWh. Das ist verständlich – aber nicht immer der größte Hebel.
Bei vielen Gewerbekunden wird zusätzlich ein Leistungspreis berechnet. Der basiert nicht auf dem Jahresverbrauch, sondern auf der höchsten gleichzeitig abgerufenen Leistung – oft gemessen als maximale 15-Minuten-Last.
Und genau diese eine Viertelstunde kann Ihre Kostenstruktur stark beeinflussen.
1️⃣ Betrifft mich das überhaupt? (Relevanz-Check)
A. Blick auf die Rechnung
Wenn Sie auf Ihrer Abrechnung Positionen finden wie:
- „Leistungspreis“
- „€/kW“
- „maximale Leistung“ / „Jahreshöchstleistung“
- „registrierende Leistungsmessung (RLM)“
… dann ist das Thema Lastspitze relevant.
B. Zählerart / Messkonzept
- SLP (Standardlastprofil): meist kleinere Gewerbe, keine kW-Abrechnung
- RLM (registrierende Leistungsmessung): meist größere Gewerbe/Industrie, kW zählt
C. Verbrauch als grober Richtwert
- In der Regel ab ~100.000 kWh/Jahr relevant
- aber auch darunter möglich, wenn RLM/Messkonzept so ausgelegt ist
D. Branchen/Typen, wo Lastspitzen typisch sind
- Gastronomie (Küche + Lüftung + Kühlung + Spültechnik gleichzeitig)
- Produktion (Maschinenanläufe, Kompressoren, Schweißanlagen)
- Logistik/Handel (Kälte, Beleuchtung, Ladeinfrastruktur)
- Immobilien/Technikzentren (Lüftung, Pumpen, Klimatisierung)
- E-Mobilität (mehrere Ladevorgänge parallel)
Wenn hier Gleichzeitigkeit entsteht, entstehen Lastspitzen.
2️⃣ Was ist die Lastspitze – und warum ist sie so teuer?
Das Netz muss nicht für Ihren Durchschnittsverbrauch ausgelegt sein, sondern für Ihre maximale Leistungsanforderung.
Wenn Ihr Betrieb in einer Viertelstunde gleichzeitig sehr viel Leistung zieht (kW), muss der Netzbetreiber dafür Kapazität vorhalten. Dafür zahlen Sie den Leistungspreis.
Vereinfacht:
Leistungspreis-Kosten = kW-Lastspitze × €/kW
3️⃣ Handlungsbeispiel (praxisnah)
Ein Betrieb hat:
- Jahresverbrauch: 100.000 kWh
- Leistungspreis: 120 €/kW (Beispielwert, regional unterschiedlich)
- Lastspitze bisher: 120 kW
Kosten Leistungspreis bisher:
120 kW × 120 €/kW = 14.400 € pro Jahr
Durch Lastspitzenmanagement sinkt die Spitze auf 90 kW:
Kosten nach Optimierung:
90 kW × 120 €/kW = 10.800 € pro Jahr
👉 Ersparnis: 3.600 € pro Jahr
Und das, ohne eine einzige kWh weniger zu verbrauchen.
4️⃣ Was können Unternehmen konkret tun?
1. Gleichzeitigkeit reduzieren
Welche Verbraucher laufen gleichzeitig? Kann man Prozesse entkoppeln?
2. Anläufe glätten
Maschinenanläufe, Kompressoren, Wärmepumpen oder Lüftungsanlagen erzeugen Spitzen. Soft-Start und Steuerung helfen oft.
3. Lastmanagement / Priorisierung
Kurzzeitiges Drosseln nicht-kritischer Verbraucher in Spitzenzeiten kann die maximale 15-Minuten-Leistung deutlich senken.
5️⃣ Fazit
Die teuerste Kilowattstunde ist oft nicht die verbrauchte –
sondern die gleichzeitig verbrauchte.
Wer nur den Arbeitspreis optimiert, übersieht bei vielen Unternehmen den stärkeren Hebel.
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Stromrechnung ein Lastspitzen-Thema enthält, prüfen Sie:
- Steht irgendwo „€/kW“ oder „Leistungspreis“?
- Haben Sie RLM?
- Gibt es Prozesse mit hoher Gleichzeitigkeit?
Dann lohnt sich eine Lastspitzen-Analyse fast immer.