Skip to main content Skip to page footer

Energielexikon: Heizwert vs. Brennwert – Energiegehalt von Gas richtig verstehen

Im Gasmarkt tauchen regelmäßig die Begriffe Heizwert und Brennwert auf.

Für viele Unternehmen wirken sie technisch – sind aber wirtschaftlich relevant.


Was ist der Heizwert?

Der Heizwert (Hi) beschreibt die Energiemenge, die bei der vollständigen Verbrennung von Gas freigesetzt wird – ohne die im Wasserdampf enthaltene Kondensationswärme zu berücksichtigen.

Vereinfacht:

Heizwert = nutzbare Wärme ohne Rückgewinnung der Abgaswärme

Früher waren viele Heizsysteme technisch nicht in der Lage, die zusätzliche Wärme aus dem Wasserdampf zu nutzen.


Was ist der Brennwert?

Der Brennwert (Hs) berücksichtigt zusätzlich die Wärme, die entsteht, wenn der im Abgas enthaltene Wasserdampf kondensiert.

Er ist daher höher als der Heizwert.

Bei Erdgas liegt der Brennwert typischerweise etwa 10 % über dem Heizwert.

Beispiel:

Heizwert: 10,0 kWh pro m³
Brennwert: 11,0 kWh pro m³

Moderne Brennwertkessel können diese zusätzliche Energie nutzen.


Warum ist das für Unternehmen relevant?

Gas wird nicht in Kubikmetern, sondern in Kilowattstunden (kWh) abgerechnet.

Die Umrechnung erfolgt nach folgender Formel:

Gasverbrauch (m³) × Brennwert × Zustandszahl = Abrechnungsmenge in kWh

Das bedeutet:

Der Brennwert beeinflusst direkt die berechnete Energiemenge.


Was ist die Zustandszahl?

Die Zustandszahl korrigiert das gemessene Gasvolumen auf Normbedingungen (Temperatur und Druck).

Gas dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen.

Die Zustandszahl sorgt dafür, dass die Abrechnung physikalisch korrekt erfolgt.


Rechenbeispiel

Ein Unternehmen verbraucht 20.000 m³ Erdgas.

Angenommen:

Brennwert: 11,0 kWh/m³
Zustandszahl: 0,95

Berechnung:

20.000 m³ × 11,0 × 0,95 = 209.000 kWh

Diese 209.000 kWh sind abrechnungsrelevant.


Warum sollten Unternehmer das wissen?

1️⃣ Rechnungsprüfung
Unternehmen können nachvollziehen, wie sich die kWh-Menge ergibt.

2️⃣ Plausibilitätskontrolle
Schwankungen im Brennwert können Verbrauchsunterschiede erklären.

3️⃣ Technische Investitionen
Moderne Brennwerttechnik nutzt den höheren Energiegehalt effizienter.

4️⃣ Vergleichbarkeit
Beim Vergleich historischer Verbräuche ist es wichtig zu wissen, ob Heizwert- oder Brennwertbasis zugrunde liegt.


Fazit

Heizwert und Brennwert sind keine theoretischen Begriffe.

Sie beeinflussen:

  • die Abrechnung
  • die Effizienz
  • die Kostenstruktur
  • die technische Planung

Wer Energie strategisch betrachtet, sollte nicht nur Preise kennen –
sondern auch die physikalischen Grundlagen verstehen.